Lungenkrebs früh erkennen: Was ein Screening bewirken kann
Lungenkrebs bleibt oft lange unbemerkt. Wenn erste Beschwerden auftreten, ist die Erkrankung häufig bereits weit fortgeschritten. Dabei könnte eine gezielte Vorsorgeuntersuchung viele Leben retten. Während andere Länder bereits auf ein regelmäßiges Lungenkrebsscreening setzen, fehlt in Österreich bislang ein entsprechendes Programm. In Tirol liegen konkrete Pläne auf dem Tisch – was noch fehlt, ist die Finanzierung.
Lungenkrebs zählt zu den häufigsten krebsbedingten Todesursachen in Österreich. Besonders tückisch: Im Frühstadium verursacht die Erkrankung meist keine Beschwerden. Dabei sind die Heilungschancen deutlich besser, wenn ein Tumor rechtzeitig entdeckt wird. Ein regelmäßiges Screening könnte deshalb insbesondere bei Menschen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko einen entscheidenden Unterschied machen.
„Gerade bei Menschen mit einer langen Rauchergeschichte ist die Früherkennung besonders wichtig. Je früher Veränderungen entdeckt werden, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten.“
Dr. Klaus Wicke, Kuriensprecher der Gesundheitsbetriebe in der WK Tirol
Früherkennung für Menschen mit erhöhtem Risiko
Mithilfe einer Niedrigdosis-Computertomografie (Low-Dose-CT) lassen sich bereits kleine Veränderungen in der Lunge erkennen. Die Untersuchung ist schmerzfrei, die eigentliche Aufnahme dauert nur wenige Sekunden. Dabei wird die Strahlenbelastung möglichst gering gehalten. Das Angebot richtet sich gezielt an Menschen mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko, insbesondere an Personen ab etwa 50 Jahren, die über viele Jahre stark geraucht haben oder weiterhin rauchen. Vor der Teilnahme wird das individuelle Risiko anhand verschiedener Kriterien ermittelt, darunter die Dauer und Intensität des Tabakkonsums. Bei entsprechender Eignung ist eine jährliche Untersuchung vorgesehen.
Ein wesentlicher Bestandteil des geplanten Tiroler Programms wäre zudem das Angebot, an einem Raucherentwöhnungsprogramm teilzunehmen. Denn neben der Früherkennung bleibt der Rauchstopp die wichtigste Maßnahme, um das persönliche Lungenkrebsrisiko zu senken.
Tirol wäre bereit – die Finanzierung fehlt
In mehreren europäischen Ländern, darunter Kroatien, Polen und England, wurden bereits Programme zur Lungenkrebsfrüherkennung eingeführt. In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen seit April 2026 die Kosten für bestimmte Risikogruppen. In Österreich hingegen gibt es bislang weder ein flächendeckendes Screeningprogramm noch eine entsprechende Pilotphase.
Dabei liegen in Tirol bereits konkrete Pläne auf dem Tisch: Ein Pilotprojekt mit 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern über einen Zeitraum von vier Jahren wurde beim Land eingereicht. Die Finanzierung ist allerdings noch nicht gesichert.
Laut Dr. Wicke sind die Voraussetzungen für eine Umsetzung vorhanden. Die notwendigen CT-Anlagen stehen bereits zur Verfügung. Lediglich kleinere Anpassungen im EDV-Bereich wären noch erforderlich, die nach einer entsprechenden Bewilligung vorgenommen werden könnten. Ein Projektstart wäre damit bereits Mitte 2027 denkbar.
„Die medizinischen Möglichkeiten sind vorhanden. Was noch fehlt, ist die Finanzierung. Mit einer entsprechenden Bewilligung könnte bereits 2027 ein wichtiger Schritt in der Lungenkrebsfrüherkennung gesetzt werden.“
Dr. Klaus Wicke, Kuriensprecher der Gesundheitsbetriebe in der WK Tirol
Eine Investition, die sich langfristig rechnet
Dass ein solches Screeningprogramm zunächst Kosten verursacht, steht außer Frage. Langfristig könnte es jedoch nicht nur Leben retten, sondern auch das Gesundheitssystem finanziell entlasten. Denn die Behandlung von Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium ist besonders aufwendig und kostenintensiv. Für Dr. Wicke ist deshalb klar: Die Investition in eine gezielte Früherkennung ist medizinisch und ökonomisch sinnvoll.

Dr. Klaus Wicke, WK-Kuriensprecher bildgebende Diagnostik

